Vom „fliegenden Holzhaufen“ zum Großflugzeug mit Batterien

29 Teams aus ganz Deutschland haben ihre Ideen fliegen lassen. Am 24. Juli entscheidet die Jury, wer beim diesjährigen „Ideenflug“ gewinnt. Aber wer steckt dahinter? Zum Beispiel Stefan Stückl.

Ideenflug: Sie haben schon als Schüler Modellflugzeuge gebaut, und fliegen lassen. Haben dann den Segelflugschein gemacht, fliegen heute auch noch. Dass Sie einmal Flugzeugingenieur werden, das war doch klar, oder?
Stefan Stückl: Ja, das war abzusehen. Schon in der Abizeitung stand ein Spruch dazu über mich. Eigentlich wollte ich das schon in der 10. Klasse werden.

Damals haben Sie Modellflugzeuge gebaut: Können Sie sich noch an Ihr erstes Modellflugzeug erinnern?
Das war ein Segelflugzeug, sehr einfach zu fliegen. Segelflugzeuge verzeihen einem Fehler beim Steuern.

Was macht man beim Segelflugmodellbau?
Es gibt dafür Holzbausätze. Die Teile sind schon vorhanden und man muss sie noch zurechtschneiden, dann zusammenbauen. Die Elektrik kauft man separat und baut sie ein. Alternativ kann man auch fertige Modelle aus Kunststoff kaufen, damit hat man zwar weniger Arbeit, aber es entgeht einem auch der Spaß beim Basteln.

Und was ist das Faszinierende daran?
Dass man zuerst einen „Haufen Holz“ hat. Und dann, mit Handarbeit und Know How, fliegt das Modellflugzeug und man kann es selbst steuern.

Heute arbeiten Sie an „richtigen“ Flugzeugen. Zum Beispiel im VoltAir-Projekt. Was ist das Neue bei diesem Projekt?
Bei diesem Projekt geht es um ein elektrisch betriebenes Flugzeug. Mit Batterien.

Ein Flugzeug mit Batterien? Herr Stückl, das glaubt doch niemand…
Die Batterien sind etwa so groß wie ein Frachtcontainer, wie sie auch in Flugzeuge verladen werden. Heute wäre ein Batterieflugzeug noch viel zu schwer. Es muss noch am Energieverbrauch gearbeitet werden, etwa durch bessere Aerodynamik. Die Entwicklung daran hat aber auch erst angefangen.

Sie forschen selbst an neuen Technologien und saßen im vergangenen Jahr, und in diesem Jahr wieder, in der Jury des Ideenflug. Einem Wettbewerb, bei dem es um Ideen zum Fliegen in der Zukunft geht. Was finden Sie als Jurymitglied am überzeugendsten bei Ihrer Bewertung?
Wenn es um Transferleistungen geht. Also wenn man einen Effekt verstanden hat und versucht, das aufs Fliegen anzuwenden. Wie Schüler beim Ideenflug im vergangenen Jahr. Ein Lehrer hatte ihnen erzählt, dass ein Golfball viele kleine Vertiefungen hat und dass das zu tun hat mit der Verbesserung der Strömungsdynamik. Dann haben sich die Schüler hingesetzt und gesagt: Warum können wir das nicht nehmen und auf Flugzeuge anwenden.

Können Sie sich noch erinnern: Hatten Sie früher selbst eine Fliegerei-Idee, an der Sie getüftelt haben?
Ja. Und zwar im Modellflugzeugbau. Bei Modellflugzeugen gibt es kleine Spalten am Ruder. Ruder sind Klappen, die sich bewegen. Bei schnellen Flugzeugen hat das beim Fliegen einen Pfeifton ergeben. Und solche Geräusche beim Fliegen bedeutet immer eine Verschlechterung der aerodynamischen Eigenschaften. Da haben wir angefangen, aus Kunststoffbändern diesen Spalt schließen und uns überlegt, so was auf Großflugzeuge zu übertragen.

Und kann man es übertragen?
Ein Großflugzeug fliegt natürlich viel schneller und in großer Höhe, wo es sehr kalt ist. Ein Kunststoffband reicht da nicht mehr aus, das würde schnell kaputt gehen. Allerdings forscht man heute am „Morphing“-Flügel, der ähnlich wie ein Vogel seinen Flügel je nach Bedarf verformen kann – ganz ohne Klappen und Spalten. Das spart Widerstand und Kraftstoff.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Stückl.